Alte Lehrer pensioniert, neue Lehrer rekrutiert? - Teil 2
Teil 1: Lehrermangel in DeutschlandEine Pensionierungswelle rollt durch Deutschlands Schulen - der Höhepunkt ist noch nicht erreicht. Auch in den folgenden Jahren verabschieden sich immer mehr Pädagogen gen Rente. Es bleibt eine Lücke - drohender Lehrermangel in Deutschland […] weiter lesen |
Teil 2: Der Wunsch nach kleineren Klassen bleibt zunächst unerfüllt
Bild: Lehrer gesucht - und das nicht nur für Klassenfahrten. Lehrermangel - in diesem Schuljahr sei der Mangel “so groß wie nie” bemerkt im August 2010 der Vorsitzende des Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger. Bleibt die schulische Bildung auf der Strecke? © Gerd Altmann / PIXELIO
Frau Schaad kristisierte, daß zusätzliche Lehrerkapazitäten, die durch den Rückgang der Schülerzahlen (demografische Rendite) entstehen, nicht (wie beim Bildungsgipfel zugesagt) für eine Qualitätsverbesserung (kleinere Klassen) herangezogen werden. Durch allerlei Tricks in der Berechnung versuchen die Länder, die Zahl der Pädagogen niedrig zu halten.
Der Vorsitzende des Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger, hat im August Alarm geschlagen. Rund 45.000 Lehrer würden fehlen ( in diesem Schuljahr sei der Mangel “so groß wie nie”) bis zu 30.000 allein im mathematischen und naturwissenschaftlichen Bereich.
Fachfremd besetzte Stellen
SPIEGEL-ONLINE hat Ende August eine Umfrage unter den Kultusministerien gestartet und erfahren, daß alle freien Stellen im neuen Schuljahr ausgefüllt werden konnten.
Es gibt jedoch zuhauf Berichte vor allem von Leitern der Berufsschulen und Gymnasien, daß sie Stellen mit Quereinsteigern (ohne Lehramtsstudium) oder fachfremd (d.h. nicht ausgebildete Lehrer im jeweiligen Fach) besetzen müssen.
Jeder 15. Lehrer an deutschen Schulen sei nicht pädagogisch oder für sein Fach ausgebildet, so Meininger. Die Quote schätzt er an Gymnasien auf 5%, in Berufsschulen auf 20%.
Das Statistische Bundesamt stellte fest, daß Lehrer 2009 bei Pensionseintritt durchschnittlich 62,7 Jahre alt waren und vier von zehn bis zur Regelaltersgrenze von 65 Jahren arbeiteten. Nur bei jedem fünften Lehrer war Dienstunfähigkeit der Grund, die Schule zu quittieren. Seit Beginn der Statistik im Jahre 1993 (damals durchschnittliches Rentenalter 57,9 Jahre) ist dies der niedrigste Stand.
Seit 2001 müssen Lehrer, die sich vorzeitig wegen Dienstunfähigkeit pensionieren lassen, finanzielle Einbußen hinnnehmen. Seit dieser Zeit ist der Anteil gesunken, jedoch immer noch etwas höher (um 5%) als die der Beamten bei Bund, Ländern und Gemeinden, die auch bis 65 arbeiten müssen und wegen Dienstunfähigkeit aufhören.
[Quelle: SPIEGEL-ONLINE 25.11.2010 / mit Material von dpa und dapd]
Anmerkung Redaktion AURELIA eV: Die vermehrte Einstellung von Lehrern in den siebziger Jahren (die jetzt auch die Häufung der Pensionierungen erklärt) begründete sich damals -wie auch heute gefordert- mit kleineren Klassen, verbunden mit dem Bestreben, sich dadurch auch den Kindern aus sozial schwachen Familien intensiver widmen zu können.
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