Neu in der Schule: “Schulverfassung” statt Schulordnung
Die Schulordnung hat ausgedient!
Bild: Schule: “Schulverfassung” statt Schulordnung wir gemeinsam beschlossen. © Gerd Altmann / PIXELIO
In fast allen Schulen wurden in den ersten Tagen des Schulalltags die Schulordnungen an die Schüler verteilt. Diese Gebots- und Verbotsliste landete dann meist in den unergründlichen Tiefen einer Schultasche.
Schule: Alte und neue Traditionen
Diese Tradition hat nun in einigen Schulen ausgedient! Lehrer, Eltern und Schüler haben in einem demokratischen Prozess eine Art schulinternes Grundgesetz ausgearbeitet - eine “Schulverfassung”. Die “Schulverfassung” unterscheidetet sich von der herkömmlichen Schulordnung maßgeblich dadurch, daß sie nicht auf Verbote abgestellt ist, sondern eher zu Mitverantwortung und Mitgestaltung aufrufen soll.
Lehren und Lernen unter der neuen Schul-Verfassung
“Mit unserer Verfassung wollen wir eine gewisse Lehr- und Lernkultur erschaffen”, sagt Dietricher Heither, der stellvertretende Direktor der Heinrich-Böll-Schule in Hattersheim. Die Kooperative Gesamtschule hat seit über 5 Jahren eine Schulverfassung. Sie beinhaltet Prinzipien wie Toleranz, Fairness und Respekt, vor allem aber, “daß jeder Einzelne Verantwortung für die Gemeinschaft übernehmen und mit seinem Verhalten zu einer besseren Atmosphäre in der Schule beitragen solle”. Für die Schüler war es eine positive Erfahrung am runden Tisch als vollwertiges Mitglied behandelt zu werden und seine Vorstellungen einbringen zu können, sagte der 17 Jahre alte Schüler und meinte “inzwischen sind wir stolz darauf, eine eigene Verfassung zu haben”. Die Regeln für das Zusammenarbeiten der Eltern, Lehrer und Schüler werden dadurch erheblich erleichtert. Die Identifikation der Schüler mit Ihrem “Regelwerk” ist erheblich größer als noch mit der alten Schulornung und entsprechend kleiner der Widerstand gegen aufgestellte Vereinbarungen in Form der “Schulverfassung”. Die Gewalt an Schulen einzugrenzen, sollte die “Schulverfassung” demnach auch nutzen.
Lehrer, Eltern und Schüler entscheiden gemeinsam
Bild: Lehrer / Lehrerinnen, Eltern und Schüler / Schülerinnen treffen gemeinsame Entscheidungen am Runden Tisch. © Rainer Sturm / PIXELIO
Schulleiter Thomas Mausbach vom Heinrich-von-Gagern-Gymnasium in Frankfurt, hatte sich schon vor 10 Jahren für eine neue Form der Schulordnung eingesetzt, die “den Geist der Schule atmen” solle. In diesem altsprachlichen Gymnasium, das sich der humanistisch - christlichen Tradition verbunden fühlt, hat sich eine Arbeitsgruppe von Lehrern, Eltern und Schülern zusammengefunden, die sich seit über 2 Jahren mit einer neuen Verfassung beschäftigt. Lt. Herrn Schulleiter T. Mausbach wird hierbei besonderen Wert gelegt auf Rücksicht und Verläßlichkeit, mehr Engagement im Schulalltag, etwa ehrenamtliche Dienste bei Klassenfesten-und ausflügen zu übernehmen, als Vertrauenslehrer tätig zu sein und ihr Mitspracherecht in verschiedenen Gremien wahrzunehmen.
Demokratie und kleine Politik an Schulen
Mit der Schulverfassung sind tatsächlicxh alle Beteiligten befasst und bewegen sich in demokratischen Strukturen. Hier wird kleine Politik gemacht und die Schüler sind mitten drin. Ein guter Weg auch zur Gewaltprävention an Schulen, wie wir meinen.
Mit einem Festakt wurde an einem Gymnasium in Wiesbaden ein Baum gepflanzt um die neue “Schulverfassung” der Dilthey-Schule zu feiern. “Der Politiklehrer Meinderink sieht in der neuen Schulverfassung nicht nur ein gutes Werkzeug, um das Miteinander in der Schulgemeinschaft zu regeln, sondern auch eine Möglichkeit, politische und demokratische Bildung praktisch anzuwenden”.
[Quelle: FAZ.NET, Hessen, “Schulinternes Grundgesetz” von Hanna Sturm, http://bit.ly/fj8y2u]
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