Bildungs- Notstand in der Schule! Unterrichtsausfall -
… ein Massenphänomen!
Bild: Wir brauchen mehr Lehrer! Wo bleibt die Bildung, wenn Unterricht in der Schule ausfällt? © Gerd Altmann / PIXELIO
Rund 4 Millionen Unterrichtsstunden fallen wöchendlich aus
Laut Berechnungen des Deutschen Philologenverbandes (exclusiv für “Welt am Sonntag) können jede Woche rd. 4 Million Unterrichtsstunden in Deutschland stundenplanmäßig nicht gegeben werden. 765 000 Lehrer müßten 12 - 14 Mill. Wochenstunden Schüler unterrichten.
Diese Berechnungen basieren auf statistischen Erhebungen der Bundesländer selbst, auf belastbaren Schätzungen und kleinen Anfragen der Opposition in den einzelnen Ländern. Die Schätzungen sind nötig, denn nicht alle Länder machen den Unterrichtsausfall transparent. Gezählt werden lediglich die Stunden, die wirklich ausfallen, die Vertretungsstunden fallen nicht darunter.
3,9 bis 10% Ausfallquote
Im letzten Schuljahr betrug die Ausfallquote in Bayern an den Gymnasien 3,9% ohne Vertretung. In Sachsen an den Mittelschulen und Gymnasien mußte jede 10. Unterrichtsstunde ausfallen oder wurde vertreten.
Lehrer fehlen an allen Ecken und Enden, nicht nur in den naturwissenschaftlichern Fächern. Am schlimmsten ist es in Berufsschulen - der Ausfall beträgt hier rd.10 Prozent, an den Gymnasien bundesweit rd. 8 Prozent, am wenigsten in den Grundschulen (rd. 4 Prozent) laut Philologenverband.
Haben wir keine ausreichenden Reserven für den Unterricht?
Philologen-Chef Meininger kritisiert, daß es keine ausreichenden Reserven für den Unterricht gibt. Die Mittel, die anlässlich des Schülerrückgangs frei werden, sollten für diese Reserven bereitgestellt werden. Es würde bedeuten, daß allein an den Gymnasien 10 000 Lehrer eingestellt werden müßten.
In Berlin wurde vor Jahren ein Budget für Schulleiter bereitgestellt, um einen Pool für Vertretungslehrer (”Lehrerfeuerwehr”) zu bilden. Diese Maßnahme war nicht von Erfolg gekrönt, denn die hierfür befristeten Arbeitsverträge sind nicht interessant für die ausgebildeten Lehrer, die in anderen Bundesländer Beamte auf Lebenszeit werden können. Lehramtsanwärter, die auf ein Referendariat warten, stehen jetzt dort zur Verfügung.
Lehrer und Lehrerinnen fallen zumeist krankheitsbedingt aus
Der Grund des Unterrichtsausfalls ist zumeist Krankheit. Die GEW fordert daher (bezogen auf Langzeiterkrankungen z. B. in Baden-Württenberg rd. 1400 Lehrer) bessere Arbeitsbedingungen für ältere Kollegen. Für Lehrer über 55 Jahre sollen die Pflichtstunden herabgesetzt werden.
Für die Eltern der Schüler ist das Problem Unterrichtsausfall ärgerlich. Die meisten von ihnen trauen sich nicht, sich öffentlich negativ zu äußern, da sie dann Nachteile für ihre Kinder befürchten. 2010 gaben bei einer Befragung des Instituts für Demoskopie Allensbach 64% der Eltern an, daß dies das wichtigste Problem bezüglich der Schule ist.
Schüler berichten, daß im Gymnasium “eigentlich kein Tag vergeht, an dem bei mir nicht eine Stunde ausfällt. Heute hatte ich nur 2 von sieben, meine Freundin gestern ganz frei” (1o. Klasse).
Elterninitiative gegen Unterrichtsausfall “Ein Bild für Bildung”
Bild: Elterninitiative gegen Unterrichtsausfall. Mit dem Projekt “Ein Bild für Bildung” setzt sich Frau König, Mutter dreier schulpflichtiger Kinder, gegen Unterrichtsausfall an Schulen ein. © LiliGraphie / PIXELIO
Als zu Schuljahrsbeginn am Kepler-Gymnasium in Chemnitz 1/3 der Lehrer abgeordnet wurden, um auch an anderen Schulen zu unterrichten, ließ sich Frau Manuela König, Mutter von drei schulpflichtigen Kindern (2 davon in dieser Schule) etwas einfallen:
“Ein Bild für Bildung” nannte sie ihre Aktion, bei der sie Kinder aufforderte, je ein Bild zu malen. 100 Bilder hat sie bereits erhalten, auch Kindergärten beteiligen sich.
Wäre es nicht eine gute Idee, daß auch weiterführende Schulen (auch Berufs- und Förderschulen) sich dieser Aktion anschließen - und in den vielen vielen Freistunden ihr “Bild für Bildung” malen?
Am 1. Dezember hat die engagierte Frau König einen Termin im Kultusministerium erhalten, um die Bilder dort zu übergeben. Sie will dies mit einem kleinen Protestzug tun, vielleicht auch mit Schülern, Eltern und Lehrern. “Gute Bildung geht schließlich alle an” meint sie. Chapeau - Frau König!
[Quelle: Welt am Sonntag Nr. 45 / 6. Nov. 2011 Politik 3]
Fragender Redaktion Aurelia eV: Haben wir kein Geld in unserem Staat , um für unsere Kinder einen kontinuierlichen guten Unterricht in den jeweiligen Fächern zu gewährleisten?
Oder gibt es zu wenig Leute, die auf Lehramt studieren? Wie können in den Studiengängen die Inhalte so verändert werden, daß es für junge Leute attraktiv ist und Freude macht, Lehrer zu werden?
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